Inbound Marketing ist nichts für "Gähn-Produkte"

Inbound Marketing ist nichts für "Gähn-Produkte"

Jedes Produkt ist austauschbar. Auch Ihres. Und meines genauso. Wir wollen dies nicht wahrhaben und "laden" unsere Babies auf, machen Lärm und versuchen so im Meer der Austauschbarkeit aufzufallen.

Plakate, TV-Spots, Programmatic, Ads. Nicht jeder kann (weil kein Budget) oder will (weil keine Wirkung) sein Geld zum Fenster rauswerfen. Er investiert stattdessen in Inbound Marketing. Nicht immer klappt's. Nicht wegen der Inbound Marketing-Methodik. Denn die funktioniert. Sondern wegen der Langeweile, Leere und Austauschbarkeit der Produkte. Glauben Sie nicht?

Rückblende.

Es lief grad der Dot-Com-Boom. Sie war Parisienne. Ihren Namen weiss ich nicht mehr. Doch ich weiss noch genau, was sie wollte: Auffallen. Und zwar um jeden Preis.

Ihr Produkt war eine Handelsplattform für Aktien, Wertschriften und was sonst noch einen Valor hatte. Sie war nicht "First Mover" und hatte es somit schwer, gegen die Grossen der Branche anzukämpfen. Sie musste auffallen, um Ihren Case zu machen und um ihren Job als Country Manager zu halten. Es ging also um viel. Und ich, der junge PR-Schnösel (knapp 30) sollte es richten. Mit einem PR-Stunt.

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Was ist Ihr Alleinstellungsmerkmal?

Ich ging nach Schulbuch vor und fragte nach Alleinstellungsmerkmalen, Käufer-Profilen, Mittler-Strukturen, Plattform-Details, Produkt-Attributen, Story uvm. Sie kam mit viel Papier zurück. Ich kannte diese Dot-Com-Pitch-Decks: Viel Gedöns und Floskeln, gepfeffert mit Zahlen von hoher Elastizität.

Das Gespräch war geprägt von einer leichten Überheblichkeit, wie man sie nur in Passy (16. Arrondissement) in die Wiege gelegt kriegt. Diese "Arrogance" schlug mit voller Wucht zurück, als mir erfrechte, die Killer-Frage zum Produkt zu stellen:

Ich: "Madame, warum sollte ich Ihr Produkt denn kaufen?"

Sie: "Pah! Quoi?! ...das müssen Sie mir sagen. Sie sind doch der PR-Profi..."

Es blieb still.

Nervös geworden schwafelte ich etwas rum, redete belangloses Zeugs wobei ich genau wusste: Lärm ersetzt Austauschbarkeit nicht. Der Auftrag war futsch. Das war 2001.

Heute ist es kein Deut anders. Als Kunden foutieren wir uns einen Sch**** um die 1'001 "verschiedenen" Deos im Regal. Wenn etwas nicht wirklich unseren Wünschen entspricht, dann lassen wir's links liegen. "I can get no, satisfaction!"... Wir ziehen weiter.

Höchstens wenn ein Produkt so laut schreit, wie das lauteste Neugeborene in der Maternité, dann schenken wir ihm/ihr einen Moment Aufmerksamkeit, geben ihm/ihr die Flasche, sharen das Video, liken den Post - und gehen dann weiter.

Wie geht mein Video viral?

Laut schreien, das kann jeder, wenn er denn Budget hat. Wenn im dieses fehlt, kann er noch immer via Social Media oder Youtube auf einen viralen Hit hoffen. Das hat mit Steuerbarkeit und planbarem Wachstum wenig zu tun. Und schon gar nicht mit dem Anspruch, ein einzigartiges Produkt oder eine "unique" Marktleistung zu machen, die jemandem dabei hilft, ein echtes Problem zu lösen.

Wie funktioniert Inbound Marketing?

Inbound Marketing kann auf jeden Fall helfen. Nicht im Sinne der Schaffung von Nachfrage nach langweiligen Produkten bei gelangweilten Verbrauchern mit langweiligen Phrasen auf langweiligen Kanälen.

Sondern durch magnetisch-anziehenden Content, der, wie das Produkt selbst, einen Mehrwert liefert, Nutzen stiftet und Menschen dabei hilft, eine Herausforderung zu meistern.

Inbound Marketing ersetzt kein "Produkte-Gähn". Inbound Marketing macht dann Sinn, wenn Sie ein Produkt haben, das Hand und Fuss hat. Lärm ist kein Ersatz für Austauschbarkeit.

Seien Sie deshalb ehrlich. Schauen Sie Ihr Baby genau an. Hat es "Hand und Fuss"? Wenn ja, dann können Sie mit Inbound Marketing weit gehen.

Wenn nein, und dies ist das Fazit dieser Zeilen, dann investieren Sie Ihr Geld lieber zum finalen Schliff an Ihrer Marktleistung.

Executive Summary Inbound Marketing

Fazit

Wenn Sie ein "Gähn-Produkt" haben sollten Sie nicht ins Inbound Marketing investieren. Dann sollten Sie Ihr Geld lieber zum finalen Schliff an Ihrer Marktleistung einsetzten. https://bit.ly/2KidweL @stevenloepfe
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